Riester-Bausparvertrag: 44% Rendite?

Nachdem mir der Bankberater ein wirklich richtig gutes Angebot für eine Immobilienfinanzierung für eine Investition gemacht hat, war er nicht mehr davon abzuhalten, mit mir jetzt auch noch über meine eigengenutzte Immobilie zu sprechen. Die gibt es natürlich noch nicht – ist ja schließlich nicht Teil meiner Strategie – aber was nicht ist kann ja noch kommen. Ich habe mir was Angebot also angehört: Ein Riesterbausparvertrag. Der Berater fragte mich: „Wenn ich Ihre 6% bis 7% Rendite an der Börse schlage, dann schließen Sie einen ab?“. Darauf habe ich mit den Worten „Dann überlege ich es mir sehr gründlich!“ eingeschlagen.

Die Überraschung

Was als nächstes kam überraschte mich sehr. Ich hatte mich bis dato noch gar nicht mit Riester-Produkten beschäftigt. Viel zu kompliziert und unsexy. Was mich überrascht hat, war, dass der Berater es schaffte mich für das Produkt zu begeistern. Das ging so:

Eigene Sparleistung (pro Jahr) 1.946 €
 Zulage vom Staat 154 €
 Steuervorteil 704 €
 Jährliche Förderrendite  44%

Ich bekomme also für jeden Euro den ich selbst spare 44 Cent vom Staat. Das hat mich im ersten Moment schon begeistert. Allerdings ist das (leider) nicht die ganze Geschichte. Was jetzt nicht besteuert wird, wird dann im Rentenalter besteuert. Die Idee dahinter ist – und so wird einem das natürlich auch erklärt – dass man im Rentenalter einen viel geringeren Steuersatz hat, als während der Arbeitsjahre. Zweifelt man das jedoch an, fällt das ganze Modell auseinander, wie leicht zu sehen ist. Ich hoffe jedoch, dass ich im Rentenalter viel mehr zu versteuern habe als heute. Nach 35 bis 40 Jahren Vermögensaufbau sollte es doch zumindest hoffentlich nicht viel weniger sein.

Daraufhin meinte der Kollege des Beraters dann, selbst wenn ich es nicht schaffe, die Versteuerung auf ein einkommensarmes Jahr zu legen (was ja durchaus vorstellbar wäre, da man ohne Angestelltengehalt natürlich viel mehr Spielraum bei der Steuergestaltung hat), dann könnte ich ich die 704 € im Jahr ja auch als zinsfreies1 Darlehen bis zur Rente ansehen. Ich würde ja also schon Gewinn machen, wenn ich dieses kostenfreie Darlehen mit meinen 6% bis 7% an der Börse anlege. Diese Art zu denken hat mir äußerst gut gefallen. Allerdings steckt hier ein fieser Denkfehler drin: Ich muss 1.946 € – 704 € = 1242 € Eigenkapital quasi zinslos (aktuell 0,1 % bis 0,5 %) binden, um ein zinsloses Darlehen von 704€ zu bekommen. Das klingt irgendwie nicht mehr so gut.

Rendite ade

Eigentlich ist es jetzt schon offensichtlich: Das Angebot ist kein guter Deal, wenn man davon ausgeht, von der nachgelagerten Besteuerung nicht zu profitieren. Aber um am Ende eine Zahl dastehen zu haben, rechnen wir das jetzt bis zum bitteren Ende durch.

Lassen wir den Steuervorteil also außen vor, sieht die Rechnung folgendermaßen aus:

Eigene Sparleistung (pro Jahr) 1.946 €
 Zulage vom Staat 154 €
 Jährliche Förderrendite  7,9 %

Zwar sind wird jetzt von 44% auf 7,9% abgestürzt, noch müsste ich den Vertrag aber abschließen, schließlich hat mein Berater die 7% übertroffen, oder? Betrachten wir jetzt also einen Zeitraum von ca. 11 Jahren und ziehen zusätzlich die Gebühren sowie 0,1 % Zinsen in Betracht. Die Zahlen hierzu entnehme ich dem konkreten Angebot:

Eigene Sparleistung (in 133 Monaten) 21.569 €
 Zulage vom Staat (in 133 Monaten) 1591 €2
 Zinsen (0,1 % pro Jahr) 122 €
Gebühren 604 €
Kontostand nach 133 Monaten 22.678 €
Rendite nach 133 Monaten 5,1 %

Fünf Prozent sichere Rendite klingt spitze? Aber nicht über mehr als 11 Jahre3! Stecken wir die Zahlen jetzt in einen Sparrechner entspricht das nämlich einer jährlichen Rendite von 0,9 %.

Die Rahmenbedingungen machen es nicht besser

Die Rendite ist also nicht gerade der Knaller, wenn man das einmal nüchtern durchrechnet.  Damit jedoch nicht genug. Nach dem Termin habe ich mich natürlich auch so noch ein wenig über Riester-Bausparen informiert, und auch die folgenden Punkte sprechen dagegen:

  • Viel zu kompliziert, auch für den Finanzwesir
  • Extrem unflexibel: Ich muss das Geld für immer für eine eigengenutzte Immobilie verwenden. Möchte man nachdem man einmal im Eigentum gewohnt hat wieder für mehr als fünf Jahre zur Miete wohnen, geht alles „irgendwie“ kaputt. Außerdem wird natürlich auch nicht gefördert, wer ins Ausland geht.
  • Auch Selbstständige dürfen nicht riestern. Im schlimmsten Fall bezahlt der Staat also mit der Förderung gerade nach ein paar Jahren die Provision und danach ist Förderende sollte eine Selbstständigkeit dazwischen kommen.

Fazit

Wer davon ausgeht in der Rente ein ähnliches Einkommen zu haben wie heute, für den ist Riester-Bausparen nicht interessant. Sowohl Rahmenbedingungen als auch Rendite sind äußerst schlecht. Interessant könnte das Riester-Bausparen für Menschen sein, die davon ausgehen in der Rente einen deutlich geringeren Steuersatz zu haben und die auch jetzt schon ein geringes Einkommen haben, denn bei geringerem Einkommen muss man weniger selbst sparen um die volle staatliche Förderung zu bekommen. Aber auch in diesen Fällen sind die Rahmenbedingungen kompliziert und unflexibel.

Ich hoffe, dass mein Bankberater diesen Blog-Post als gründlich darüber nachgedacht anerkennt 😉

Fußnoten

  1. Ab der Auszahlung des Bausparvertrags muss man eigentlich über das Konstrukt des Wohnförderkontos die Förderung mit zwei Prozent pro Jahr verzinsen. Das könnte man aber mit Blick auf die Inflation langfristig vielleicht vernachlässigen. Ich möchte hier nicht weiter auf das Wohnförderkonto eingehen, aber wer sich ernsthaft mit Riester-Bausparen beschäftigt, sollte sich damit unbedingt vertraut machen.
  2. Das ist etwas weniger als 133/12 * 154 € = 1707 €. In dem ersten Jahr hat die Bank keine staatliche Förderung gerechnet. Ich weiß nicht warum.
  3. Dieses Argument hätte man natürlich auch schon ganz zu Beginn bringen können, aber 44 % ohne Zinseszins sind trotzdem noch sehr nett.

Mehr davon?

2 thoughts on “Riester-Bausparvertrag: 44% Rendite?”

  1. Die Förderrendite wird in dem Jahr der Einzahlung errechnet , also nur per anno. Berechnet man dieses 1 Jahr auf die gesamte Laufzeit und bildet eine Durchschnittsrendite, dann sieht es schon erheblich anders aus. Aber eine stetige Börsenrendite von 6-7- % jährlich zu erzielen, das kann nicht als Vergleich genommen werden. Börsenrenditen schwanken sehr. Lediglich in den letzten Jahren kam eine jährlich gute Performance heraus, während in den Jahren 2000 bis 2003 die Renditen der Jahre 1993 bis 2000 zunichte gemacht worden sind. Eine gute Diversifikation ist immer noch die beste Rendite.

    1. Hallo Joachim,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich Dich richtig verstanden habe. Du meinst man dürfe die Förderrendite nur auf ein Jahr rechnen? Das verstehe ich nicht, mich interessiert doch, was „am Ende“ raus kommt. Und da war ich sozusagen noch großzügig, dass ich „nur“ ca . 11 Jahre angesetzt habe.

      Natürlich schwanken die Kurse an der Börse sehr und es ist immer möglich Perioden rauszupicken, so wie Du das jetzt gemacht hast, in denen man keine Gewinne macht. Was zählt ist aber die langfristige Erwartung (>10 oder >15 Jahre). Und da sind die 6-7% sicherlich nicht übertrieben.

      Obwohl Du natürlich Recht hast, dass ich hier beim Vergleich keine Risikokorrektur vorgenommen habe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.