Schalter und Steckdosen austauschen

Steckdosen und Schalter zu erneuern kann sich wirklich lohnen. Für relativ wenig Geld kann man die alten vergilbten Schalter gegen schöne, neue, moderne austauschen. Ich habe das vor kurzem für eine 3-Zimmerwohnung gemacht und gemerkt: Es ist gar nicht so einfach die richtigen Teile auszuwählen.

Wer wirklich Geld sparen möchte, kauft die Ware nicht mit saftigem Aufschlag vom Elektriker sondern beschafft das Material selbst. Dazu muss man natürlich wissen, was man kaufen soll. Im Folgenden daher zuerst ein kleiner Überblick über die verschiedenen Arten und Bestandteile von Schalter und Steckdosen. Im Anschluss daran einige Tipps, welche Marken preiswert sind und wo man sie am geschicktesten beschafft. Zum Schluss gibt es auch noch einen kleinen Trick, mit dem man nochmal 10% auf die besten Internetpreise bekommt.

Vorab noch eine Sache: Die meisten Elektriker werden sich weigern mit selbst beschafftem Material zu arbeiten. Die Ausrede der Grund ist die Haftung. Mit entgangen Gewinnen hat das natürlich nichts zu tun. Trotzdem ist es möglich einen Elektriker zu finden, der das macht. Auf MyHammer* oder auch ebay Kleinanzeigen sollte es problemlos möglich sein, jemanden zu finden. Auch eine Frage nach Empfehlungen in der Immopreneur-Community ist einen Versuch wert.

Jetzt aber los.

Kleine Artenkunde: Steckdosen und Schalter

Steckdosen

Steckdosen bestehen immer aus einem Einsatz, einem Rahmen und einer Abdeckung. Der Einsatz ist der Teil, der unterputz ist und elektrisch angeschlossen wird. Der elektrische Anschluss ist entweder über Klemmen oder über Schrauben möglich. Markenhersteller bieten fast nur noch Klemmverbindungen an, weil sich diese so viel schneller und komfortabler montieren lassen. Wer Geld sparen möchte, sollte auch bei Noname-Produkten darauf achten, dass Klemmverbindungen zum Einsatz kommen, um eine unnötig hohe Elektriker-Rechnung zu vermeiden.

v.l.n.r: Abdeckung, Einsatz und Rahmen einer Steckdose
V.l.n.r: Abdeckung, Einsatz und Rahmen einer Steckdose (Gunsan Moderna)

Steckdosen gibt es in verschiedenen Varianten, die aber alle ohne weiteres zu verstehen sind. Beispielsweise mit Klappdeckel oder mit integrierter Kindersicherung.

Schalter

Etwas komplizierter wird es bei Schaltern und deren Namen. Grundsätzlich bestehen auch Schalter aus einem Einsatz, einem Rahmen und einer Abdeckung, die auch Wippe genannt wird.

Rahmen, Einsatz und Wippe eines Schalters
V.l.n.r: Rahmen, Einsatz und Wippe eines Schalters (Gunsan Moderna)

Die einfachste Variante ist der Ein-/Aus-Schalter. Dieser Schalter kommt in Räumen zum Einsatz, in denen die Lampe nur von genau einem Schalter aus gesteuert wird. Solche Situationen hat man häufig in Toilette oder Küche.

Wird eine Lampe hingegen von zwei Schaltern aus gesteuert, braucht man den sogenannten Wechselschalter. Kann eine Lampe im Flur zum Beispiel von beiden Seiten des Flurs aus gesteuert werden, so ist beides Mal ein Wechselschalter erforderlich.

Noch komplizierter wird es, wenn eine Lampe von drei Schaltern aus gesteuert wird. Dies kommt zum Beispiel im Schlafzimmer öfters vor: Ein Schalter auf jeder Seite des Doppelbetts und zusätzlich noch einer neben dem Eingang. In diesem Fall braucht man zwei Wechselschalter und einen Kreuzschalter. In einem solchen Szenario könnten jedoch auch Taster mit einem Relais zum Einsatz kommen. Ein Taster wird nur kurz gedrückt und springt nach dem Loslassen von alleine zurück in die Ausgangsposition. Ein Schalter dagegen kann umgelegt werden und hat zwei stabile Positionen. Auf die Variante mit Taster möchte ich nicht weiter eingehen.

Ein Kreuzschalter kann auch als Wechselschalter und ein Wechselschalter auch als Ein-/Aus-Schalter verwendet werden. In der Praxis wird man eher selten einen Kreuzschalter als Wechselschalter oder gar als Ein-/Aus-Schalter verwenden, weil diese deutlich teurer sind. Bei vielen Herstellern gibt es jedoch nur noch Wechselschalter, die dann beispielsweise als „Aus/Wechsel“ vermarktet werden.

Doppelschalter

Damit es nicht zu langweilig wird, gibt es natürlich auch verschiedene Arten von Doppelschaltern, also zwei Schaltern nebeneinander auf der Fläche, auf der sonst nur ein Schalter wäre. Beim Doppelwechselschalter oder auch Wechsel/Wechsel-Schalter sind einfach zwei getrennte Wechselschalter auf der Fläche von einem verbaut. Der Serienschalter hingegen ersetzt zwei getrennte Ein-/Aus-Schalter, mit dem kleinen Detail, dass es jedoch nur eine eingehende Phase gibt, die dann im Schalter aufgeteilt wird. Ein Doppelwechselschalter kann zur Not auch als Serienschalter verwendet werden, wenn der Elektriker eine kleine Brücke zwischen den jeweiligen Eingängen legt. Ein Serienschalter kann jedoch nie als Doppelwechselschalter verwendet werden.

Farben

Nicht nur bei Brautkleidern gilt: Weiß ist nicht gleich weiß. Was creme oder champagner für Brautkleider ist, ist elektroweiß für Steckdosen: Die sehen dann direkt nach dem Kauf schon so aus, als wären sie über 20 Jahre vergilbt. Alpinweiß oder aktivweiß ist das „echte“ weiß.

Der richtige Hersteller

Es dürfte keine große Überraschung sein, dass sich Einsätze und Abdeckungen verschiedener Hersteller im Allgemeinen nicht kombinieren lassen. Auch Einsätze und Abdeckungen aus verschiedenen Serien vom gleichen Hersteller lassen sich häufig nicht kombinieren. Wirklich ärgerlich finde ich aber, dass sich – zumindest bei der Marke Jung – die Abdeckungen aus der gleichen Serie nicht mit den Einsätzen aus der gleichen Serie von vor 20 Jahren kombinieren lassen. Dadurch wird die zunächst so Nahe liegende Idee nur die Abdeckungen zu tauschen leider unmöglich gemacht.

Das Branchenbuch

In der Immopreneur-Gruppe auf Facebook habe ich gefragt, welche Marke empfehlenswert sei. Ich habe viele Antworten erhalten, worüber ich mich natürlich gefreut habe, aber was die Auswahl angeht, so hätte ich auch fast ins Branchenbuch schauen können:

  • Busch-Jaeger
  • Merten
  • Jung
  • Berker
  • Gira
  • TEM
  • Efapel

Soweit die Empfehlungen zu den Marken.  Dazu zwei Empfehlungen zu No-Name-Produkten:

Außerdem noch folgende Shops unabhängig von einer Marke oder einem Produkt:

Was kostet der Spaß

Warum die ganze Mühe? So ein paar Steckdosen und Schalter können doch nicht so teuer sein, oder?

Leider doch. Und in einer Wohnung stecken viel mehr Steckdosen und Schalter, als man im ersten Moment vielleicht annehmen möchte. Hier mal ein erstes Beispiel aus der CD-Serie von Jung. Das ist die Serie, die (in älterer Version) in der 3-Zimmer-Wohnung vorher verbaut war. Ich empfinde die Serie als in Ordnung, aber etwas „altbacken“:

Eine Kombination aus einer Steckdose und einem Wechselschalter kostet dann im Baumarkt:

Einsatz und Abdeckung Steckdose 3,33 Euro
Wechselschalter Einsatz 4,59 Euro
Wippe 4,25 Euro
Rahmen 2-fach 5,18 Euro
Summe (Schalter + Steckdose) 17,35 Euro

Für eine drei Zimmerwohnung sind 15 Schalter und 30 Steckdosen nicht viel. Vermutlich wird es ein Tick mehr.  Für die LS-Serie, welche für meinen Geschmack deutlich moderner wirkt und dazu etwas günstiger ist, kommt man damit auf rund 450 Euro für eine 3-Zimmer-Wohnung. Die günstigste Jung-Serie heißt AS (Zitat eines Architekten: „Kann man gerade noch verantworten bezüglich des Designs.“) und kostet im Baumarkt für die gleiche Wohnung knapp 300 Euro.

Mit der Balance SI – Serie von Busch-Jaeger gibt es in meinen Augen ein deutlich besseres Design-Preis-Verhältnis. Für einen Preis von 350 Euro bekommt man ein Markenprodukt im modernen Design. Dabei sind die Baumarkt-Preise hier keine Mond-Preise. Teilweise gleichen sich die Preise beispielsweise bei Hornbach und Bauhaus für Jung-Produkte auf den Cent. Und auch im Netz ist es schwierig etwas günstigeres zu finden. Mit schnell mal Amazon und Ebay checken kommt man hier nicht weiter. Tatsächlich gibt es jedoch deutlich bessere Angebote. Bei Elektro Wandelt bekommt man das „Balance SI“-Paket statt für 350 Euro für 250 Euro. Hier fängt es langsam an interessant zu werden.

Ist Noname auch ok?

Hier streiten sich die Geister. Während die einen davor warnen machen andere Empfehlungen: Etwa die oben schon genannte Serie Moderna von Gunsan, einem türkischen Hersteller. Die Steckdosen gefallen mir persönlich nicht so sehr, dafür finde ich sehen vor allem einzelne Schalter richtig gut aus. Der Einbau der Schalter ist laut Elektriker ein Tick „pfrimeliger“ als bei den großen Marken, aber immer noch gut machbar. Das beste an Moderna ist der Preis. So kostet beim günstigsten ebay-Händler das Komplett-Paket für die 3-Zimmer-Wohnung 120 Euro statt 250 bis 600 Euro bei den großen Marken. Günstigster Händler war in meinem Fall led-versandhaus*, aber das würde ich im Einzelfall nochmal prüfen. Die Zweierkombi aus Wechselschalter und Steckdose von oben würde bei Moderna zusammen etwa 5,88 Euro statt der 17,35 Euro kosten. Und wenn ein Ein-/Ausschalter statt des Wechselschalters genügt, wird es nochmal einen guten Euro billiger.

Die Sache mit den Dimmern

Welcher Dimmer zusammen mit welchen LEDs funktioniert ist fast schon eine eigene Wissenschaft. Wer sich hier einliest, hat bald das Gefühl, dass es unmöglich ist, hier was passendes zu finden. Das Internet ist voll von Schreckgeschichten über flackernde Spots und brummende Dimmer.

Eins ist jedoch sicher: Billig-Dimmer funktionieren nicht mit LEDs und sind auch nicht stromsparend. Was man möchte ist ein Phasenan- oder Phasenabschnittsdimmer. Da so etwas bei Moderna nicht zu bekommen ist, habe ich tatsächlich gemischt (oh Frevel!) und ein Dreier-Panel von Busch-Jaeger mit Dimmer verbaut.

 

Zwei Dreier-Panele

Der Dimmer 6523-U 102* (Achtung das U ist wichtig) von Busch-Jaeger funktioniert bei mir hervorragend zusammen mit sechs von diesen Philips WarmGlow-LEDs*. Da ein Dimmer eine Mindestlast braucht, kann es sein, dass weniger LEDs zu Problemen führen würden – ich habe hierzu keine Experimente gemacht. Die im Bild gezeigte Einbauleuchte ist übrigens diese hier* von SEBSON.

Sechs dimmbare Spots
Sechs dimmbare Spots

Investor’s Choice und Super-Spar-Trick

Ganz außen vor gelassen haben wir die teuren Design-Varianten der Schalterprogramme. Wer Aluschalter oder Rahmen aus Glas möchte, kann die genannten Preisobergrenzen problemlos vervielfachen. Doch auch innerhalb der normalen Serien gibt es – wie gezeigt – enorme Unterschiede. Für mich kommen in Zukunft nur zwei Serien zur Auswahl: Balance SI von Busch-Jaeger und Moderna von Gunsan. Beide haben ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Während sich über Geschmack bekanntlich hervorragend streiten lässt, denke ich haben diese beiden Serien objektiv ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und lassen daher eine gute Rendite erwarten.

Der Super-Spar-Trick

Zum Schluss noch ein echt guter Tipp aus der Immopreneur-Gruppe: Wer beispielsweise die Busch-Jaeger-Schalter bestellen möchte, sucht sich dazu den günstigsten Preis im Internet raus. Für die 3-Zimmer-Wohnung waren das 250 Euro statt der 350 Euro im Baumarkt. Mit einem Ausdruck des Warenkorbs geht man dann zu Hornbach und bekommt dank Tiefpreisgarantie mindestens den gleichen Preis, mit etwas Glück jedoch auch noch 10% darunter. Die 10% werden nicht mehr wie früher auf der Website genannt. In der Praxis bekommt man Berichten zu folge die 10% aber immer noch auf Artikel, die regulär im Markt auf Lager sind. Bestellartikel sind hier jedoch ausgenommen. Warum Hornbach? Weil hier auch Online-Händler in der Tiefpreisgarantie mit eingeschlossen sind.

Ist das nicht ein bisschen fies? Ich finde das voll in Ordnung. Tiefpreisgarantien sind schlecht für den Wettbewerb und können sogar zu höheren Preisen führen.  Außerdem habe ich als Hacker Spaß an so einer Geschichte. Fast schon schade, dass ich mich für Moderna entschieden habe 😉

 

 

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3 thoughts on “Schalter und Steckdosen austauschen”

  1. Der erste Satz lautet: „Steckdosen und Schalter zu erneuern kann sich wirklich lohnen.“
    Mir wurde in dem Beitrag jetzt nicht klar, was sich hieran lohnt. Hast Du die Kosten als Modernisierung auf die Miete umgelegt? Oder konntest Du bei einer Neuvermietung dadurch höhere Mieten erzielen?

    1. Hallo oxymo,
      stimmt, da habe ich wirklich nicht klar gesagt was ich damit meinte: Ich meinte den positiven Effekt auf die Wirkung der Wohnung. Anders gesagt: Ich erwarte mir dadurch einen höheren Wiederverkaufswert (im Verbund mit anderen Maßnahmen natürlich). Bei einer Neuvermietung würde ich auch mehr erwarten. Aber das auf eine einzelne Maßnahme runter zu brechen ist natürlich schwierig. Ich meinte wirklich vor allem: Die beeindruckende Wirkung bei relativ geringen Kosten.

  2. Ich gehe davon aus, dass die vorhandenen Leitungen bereits 3-adrig mit Schutzleiter ausgeführt wurden. Sollte dies nicht der Fall sein, solltest du dies beim möglichen Verkauf auf jeden Fall schriftlich festhalten, da der Käufer sonst auf Schadensersatz klagen könnte. (Versteckter, den Verkäufer bekannter Mangel).

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