Meta Meta Archives - Der kleine Hai https://www.kleiner-hai.de/category/meta/ Immobilien, Finanzen und Freude am sparsamen Leben Mon, 27 Nov 2017 14:53:19 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.1.9 Vermieter haben eine soziale Verantwortung https://www.kleiner-hai.de/2017/11/vermieter-soziale-verantwortung/ https://www.kleiner-hai.de/2017/11/vermieter-soziale-verantwortung/#comments Mon, 27 Nov 2017 14:53:19 +0000 https://www.kleiner-hai.de/?p=841 In den USA ist es – je nach Bundesstaat – möglich einen Mieter, der seine Miete am 05. des Monats nicht gezahlt hat, am 23. des selben Monats vor die Türe zu setzen. Dafür gab es auf dem Immopreneur-Kongress großen weiterlesen...

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In den USA ist es – je nach Bundesstaat – möglich einen Mieter, der seine Miete am 05. des Monats nicht gezahlt hat, am 23. des selben Monats vor die Türe zu setzen. Dafür gab es auf dem Immopreneur-Kongress großen Applaus während des Vortrags von Jack Bosch. Dieser zeigte wie das genau aussieht. Hier sein Beispiel aus Arizona:

  • Am 05. Tag des Monats: Mahnung
  • Am 10. Tag des Monats: Klage einreichen
  • Am 20. Tag des Monats: Gerichtstermin
  • Am 23. Tag des Monats: Zwangsräumung

Die Kosten für das Räumungsverfahren liegen dabei zwischen $300 und $500 laut Jack. Mehr zu seinem Vortrag und anderen Vorträgen am zweiten Tag auf dem Kongress bald hier im Blog.

Gegensatz in Deutschland

Helge Norbert Ziegler hat am ersten Tag des Kongresses davon berichtet, dass es vom ersten Mietrückstand bis zur Räumung in Deutschland im Schnitt 15 Monate dauert. Das bedeutet also 15 Monate Mietausfall plus erheblich höhere Anwalts- und Verfahrenskosten. Im Schnitt kommen so wohl 13.000 Euro Verlust zusammen.

Ich habe mit einem Anwalt gesprochen, der meinte, er garantiere seinen Mandaten, die sich gegen eine Eigenbedarfskündigung wehren, dass sie 18 Monate länger in der Wohnung bleiben können. Dabei werden dann alle Fristen für Stellungnahmen voll ausgenutzt, Gerichtstermine müssen dann „leider“ kurzfristig abgesagt werden und so weiter.

Was ist besser?

Ich finde beide Zustände nicht akzeptabel. Bevor mir jetzt viele Leute sagen werden: „Mach das erst mal als Vermieter durch“: Ich habe hier schon meine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Mieterschutz gemacht, auf die ich aber hier nicht eingehen möchte.

Als Investoren geht es uns natürlich vor allem um die Rendite. Das ist auch völlig in Ordnung und das ist auch bei mir so. Bei uns in der Baugruppe sind schon ein paar Leute genervt von mir, weil ich bei jeder Entscheidung (Holz- oder Kunststoffenster war da die letzte) die Frage stellte: Bringt mir die teurere Option mehr Miete? Oder einen höheren Wiederverkaufswert? Wenn nicht, verzichte ich gerne.

Soziale Verantwortung ohne Wohltäter zu sein

Ich gebe zu: Ich investiere in Immobilien weil ich mir hiervon eine hohe Rendite verspreche. Es geht mir nicht darum, den Menschen etwas gutes zu tun. Ich erwarte Rendite und bei einer Neuvermietung werde ich auch die maximale Miete verlangen, die auf dem Markt möglich und gesetzlich zulässig ist. Es geht mir also nicht darum, mit meinen Investments etwas Gutes zu tun – es geht mir um Vermögensaufbau.

Trotzdem haben Vermieter – genau wie Arbeitgeber – eine soziale Verantwortung. Was für mich Renditeobjekt ist, ist für den Mieter sein Zuhause. Ich habe – im Idealfall – viele Mieter, der Mieter hat aber nur einen Vermieter.  Was für mich ein Investment ist, das viel Freude bringen oder mir ein wenig die Laune versauen kann, ist für den Mieter der Unterschied zwischen Obdachlosigkeit und einem Zuhause. Diese Asymmetrie führt dazu, dass der Staat ein Schutzbedürfnis des Mieters sieht. Und das völlig zurecht!

Ich muss also kein Wohltäter sein und meine vermietete Wohnung als milde Gabe an die Gesellschaft betrachten um zu sagen: Es ist nicht akzeptabel jemanden, der mit der Miete 23 Tage im Verzug ist, vor die Türe zu setzen – im Zweifel mit Gewalt. Jemanden obdachlos zu machen, nur weil er mir 23 Tage lang eine Monatsmiete schuldet – geht’s noch? Als für dieses amerikanische Modell Applaus auf dem Immopreneur-Kongress aufbrandete, habe ich mich geschämt!

Natürlich kann man jetzt fragen: Ist es besser, jemanden nach drei oder sechs Monaten auf die Straße zu setzen? So zynisch das klingen mag: Definitiv ja! So hat der Mieter noch eine Chance, sich wieder aufzurappeln und weiter in der Wohnung zu wohnen, wenn er wieder bezahlen kann.

Ein Drittel aller Haushalte in Deutschland „hat nichts“

Für die meisten, die das hier lesen, ist es wahrscheinlich unvorstellbar einmal in eine Situation zu kommen, in der sie nicht in der Lage sein werden, ihre Miete zu bezahlen.  Aber schauen wir mal in die Statistiken. Man muss sich nicht mit verschiedenen Armutsbegriffen herumschlagen, ein Blick auf die Verteilung der Nettovermögen in Deutschland reicht aus:

Nettovermögen deutscher Haushalte nach Perzentielen
Nettovermögen deutscher Haushalte im Jahr 2013. Datenquelle: IZA

 

Alle folgenden Daten beziehen sich auf das Jahr 2013 und stammen aus dem IZA Research Report No. 731. Die Grafik ist so zu lesen: P10 ist das Perzentil der Haushalte mit dem geringsten Nettovermögen. Das bedeutet also die 10% der Haushalte mit dem geringsten Nettovermögen. P20 sind dann die nächsten 10% der Haushalte und so weiter, bis P90 die 10% der Haushalte mit dem höchsten Nettovermögen bezeichnet. P95 sind entsprechend die fünf Prozent der Haushalte mit dem höchsten Nettovermögen.

Die untersten 10 Prozent der Haushalte haben im Schnitt 896 Euro negatives Nettovermögen, also Schulden. Tatsächlich haben 11,5% aller Haushalte in Deutschland ein negatives Nettovermögen. 19,5% aller Haushalte in Deutschland haben kein (oder ein negatives) Nettovermögen. Dies führt dann dazu, dass P20 also die „zweit geringsten“ 10% im Schnitt ein Nettovermögen von 17 Euro haben. Und es geht noch weiter: P30 hat ein Nettovermögen von 3.489 Euro.

Das bedeutet also: Für rund ein Drittel aller Haushalte in Deutschland ist eine teure Autoreparatur und eine defekte Waschmaschine im selben Jahr existenzbedrohend. Es geht hier also nicht um ein paar Abgehängte, die irgendwie selber schuld sind. Es geht um jeden dritten Haushalt in Deutschland! Klar sind da noch einige Studenten- und Azubi-WGs dabei. Aber selbst wenn es „nur“ jeder vierte Haushalt wäre, wäre das noch immer extrem krass!

Und in einer solchen Situation fände ich es verheerend, wenn man innerhalb von 23 Tagen vor die Tür gesetzt werden könnte. Jeder der meint, so etwas könnte nur fiese Mietnomaden treffen, sollte sich bewusst machen: Ein Drittel aller Haushalte in Deutschland ist finanziell so wackelig auf den Beinen, dass es sie jederzeit treffen könnte.

18 Monate ist auch keine Lösung

Trotzdem sind bis zu 18 Monate für Vermieter viel zu viel. Es müsste also ein guter Kompromiss her. Schnellere Gerichtstermine wäre mal ein Anfang. Die Dauer der „Gnadenfrist“ sollte politisch bestimmt und nicht von Verfahrenstricks geprägt sein. Dann wüssten beide Seiten genau wo sie dran sind und es könnte ein fairer Kompromiss gefunden werden.

Mein Fazit

Ich persönlich versuche durch gute Mieterauswahl zu verhindern, überhaupt in diese Situation zu kommen. Ich bin mir bewusst, dass das die Situation für diejenigen nicht einfacher macht, die finanziell schwach unterwegs sind und eine Wohnung suchen. Einen Moment lange habe ich abgewogen, ob das etwa ein Argument sein könnte, dass diese lange Frist es der betroffenen Gruppe am Ende noch schwieriger macht eine Wohnung zu finden. Ich glaube aber nicht, denn Frist hin oder her: Am Ende würde ich mich immer für den sichereren Kandidaten entscheiden, wenn ich die Wahl hätte. Egal ob 23 Tage oder 18 Monate.

Trotz aller Renditeoptimierung sollten wir Investoren nicht vergessen, dass unsere Vertragspartner Menschen sind und wir eine soziale Verantwortung haben. Was den Applaus auf dem Kongress betrifft: Ich hoffe der wurde mehr durch Zumutungen im deutschen System motiviert als durch ein wirkliches Gut-Finden eines Systems in dem Menschen innerhalb von 23 Tagen auf die Straße gesetzt werden können.

 

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Finanzielle Freiheit und Lebenskrisen https://www.kleiner-hai.de/2017/07/finanzielle-freiheit-und-lebenskrisen/ https://www.kleiner-hai.de/2017/07/finanzielle-freiheit-und-lebenskrisen/#comments Mon, 17 Jul 2017 10:07:01 +0000 https://www.kleiner-hai.de/?p=761 Finanzielle Freiheit ist ein Thema zu dem ich bisher noch nicht viel geschrieben habe. Aus gutem Grund. Doch jetzt kann ich nicht mehr an mich halten, hier also mein Beitrag zur kontroversen Debatte. Was ist finanzielle Freiheit? Eigentlich würde ich weiterlesen...

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Finanzielle Freiheit ist ein Thema zu dem ich bisher noch nicht viel geschrieben habe. Aus gutem Grund. Doch jetzt kann ich nicht mehr an mich halten, hier also mein Beitrag zur kontroversen Debatte.

Was ist finanzielle Freiheit?

Eigentlich würde ich Begriffe gerne erklären bevor ich sie das erste Mal verwende. Bei der finanziellen Freiheit oder auch finanziellen Unabhängigkeit ist das Problem jedoch, dass uns das direkt zum Kern der Debatte katapultieren würde. Daher an dieser Stelle für diejenigen, die diese Begriffe gerade zum ersten Mal hören, nur eine Minimalvorstellung:

Die Idee der finanziellen Freiheit ist es, so viel Geld anzuhäufen, dass man davon bis zu seinem Lebensende leben kann. Da man meist nicht so genau weiß, wie lange das noch ist, soll der Geldhaufen so groß sein, dass man nur „von den Zinsen“ leben kann. Der Haufen selbst soll nicht mehr schrumpfen. Je nach Lebensstil braucht man dafür keine Millionen. Für 300.000 € auf dem Haufen kann man schon mit 1.000 € im Monat rechnen. Der Frugalist Oliver erklärt hier die 4%-Regel.

Worum wird jetzt gestritten?

Auffällig ist, dass besonders viele Blogs sich mit der finanziellen Freiheit beschäftigen, die von Leuten betrieben werden, die diese noch nicht erreicht haben. Das große Vorbild Mr Money Mustache hat es geschafft. Oliver setzt das super für den deutschsprachigen Raum um. Aber dann gibt es eben noch viele, die nur auf den Zug auf zu springen scheinen. Dass ich mich hier nicht einreihen wollte, ist einer der Gründe warum ich bisher zum Thema geschwiegen habe.

Ich kann verstehen, dass sich manch einer von den FF-Propheten gestört fühlen mag.

Holger von Zendepot tritt die Gegenrede an. Und Christian von Großmutters Sparstrumpf geht noch einen Schritt weiter:

Wenn du den starken Wunsch nach „finanzieller Freiheit“ verspürst, dann frage dich bitte: Stimmt etwas nicht mit meinem Job?

Ich gebe zu: Ich verspüre den starken Wunsch nach finanzieller Freiheit. Bin ich krank? Stimmt etwas mit mir nicht?

Macht mein Job mich unglücklich?

Das muss es sein. Schließlich arbeite ich auch jetzt schon nur vier Tage die Woche. Mein Job muss echt schlimm sein.

Aber warum macht mein Job mir dann so viel Spaß? Müsste ich meinen Urlaub nicht mit meiner Frau abstimmen, so würde ich definitiv meinen Urlaub auf unbestimmte Zeit verschieben – nur um beim kommenden Projekt von Anfang an dabei sein zu können – so sehr freue ich mich darauf.

Wenn auch nicht alle Projekte so cool sind, wie das kommende – mein Job macht mir Spaß! Ich gehe gern zur Arbeit ins Büro. Ich habe gute Arbeitsbedingungen. Ganz sicher betrachte ich meinen Job nicht als notwendiges Übel, auch wenn natürlich nicht immer alles so viel Spaß macht wie im Moment.

Warum möchte ich die finanzielle Freiheit erreichen?

Dies ist ein Thema, das ganze Blogparaden füllt. Ich kann das jetzt nicht in einem Absatz vollständig abhandeln. Daher nur ganz kurz an dieser Stelle:

Ich habe das Gefühl, dass es – in meiner Position – unverantwortlich wäre sie nicht anzustreben. Meine Frau und ich verdienen deutlich mehr Geld als wir fürs tägliche Leben brauchen. Wir wissen nicht, ob das immer so bleiben wird.

Äußere Zwänge zu minimieren erscheint mir sehr sinnvoll. So sehr mir meine Arbeit Spaß macht – es können Zeiten kommen in denen es etwas wichtigeres geben kann. Sei es den Kindern, die vielleicht mal kommen, beim Aufwachsen zu helfen, oder vielleicht möchte ich mich mal um meine Eltern kümmern, falls das erforderlich werden sollte. Der Schwiegervater einer Freundin ist gestorben und sie hatte ernsthafte Probleme im Job ein paar Tage frei zu bekommen um ihren Mann auf die Reise ins Heimatland des Vaters zu begleiten. In einer solchen Situation sagen zu können: Lieber Arbeitgeber, Du bist jetzt Prio 2. Gerne komme ich wieder und arbeite mit Spaß und voller Kraft mit, wenn ich wieder soweit bin. Aber die nächsten zwei Monate bin ich erst mal weg. Ab morgen.

Vielleicht möchte ich mich mal selbstständig machen, ohne Angst haben zu müssen, ob ich meinen Lebensunterhalt noch bestreiten kann. Halt, halt! In diesem Abschnitt geht es doch um finanzielle Freiheit und jetzt schreibe ich als Motivation, dass ich mich vielleicht einmal gerne Selbständig machen möchte?

Finanzielle Freiheit und (Extremely) Early Retirement

Hier kommen wir zum Kern der Debatte. Mir scheint, dass bei den Reden gegen die finanzielle Freiheit zwei Begriffe wild vermischt werden: Finanzielle Freiheit und Early Retirement.

Für mich bedeutet finanzielle Freiheit von einem auf den anderen Tag meinen Job kündigen zu können, ohne meinen Lebensstil (zu sehr) einschränken zu müssen. Die Freiheit ist, es zu können. Nicht zwangsläufig es auch zu tun.

Early Retirement hingegen wäre das, wogegen sich viele der Stimmen richten. Den Job mit 30, 40 oder 50 an den Nageln zu hängen. Weil man’s kann. Auch hier denke ich, ist ein Großteil der Kritik ungerechtfertigt. Ich habe großen Zweifel daran, dass sich die Studien über den Gesundheitseinfluss der Rente vom Regelrenteneintrittsalter genauso auf die „frühe Rente“ übertragen lassen.

Natürlich: Wer nur noch „Netflix und Chill“ oder Strand und Sonne vor hat, tut sich vermutlich nichts Gutes. Aber wo ist das denn der Fall? Wer jetzt so engagiert ist zu bloggen und sein Leben aktiv zu gestalten, der wird doch nicht von 100 auf 0 gehen. Es gibt so viele Möglichkeiten sein Leben zu gestalten und aktiv zu leben. Auch ohne Vollzeit-Angestellten-Job.

Lottogewinn und Sinn des Lebens

Was würdest du gerne tun, wenn sich morgen herausstellen würde, dass ein entfernter Onkel dir 2 Millionen Euro vermacht hat? Welche Pläne hättest du dann für dein Leben?

Diese Frage, die Christian hier stellt, kann ich leider noch nicht zufriedenstellend beantworten. Das ist auch der Hauptgrund, weswegen ich mich bisher noch nicht zum Thema geäußert habe.

Tatsächlich wünsche ich mir nicht im Lotto zu gewinnen. Vorsichtshalber spiele ich auch kein Lotto. Die finanzielle Freiheit ist ein Ziel, welches ich mir gemeinsam mit meiner Frau gesetzt habe. Das möchte ich auch mit ihr gemeinsam erreichen. Ein Lottogewinn würde mir die Möglichkeit nehmen, das selbst zu schaffen. Ich weiß, dass die Einstellung aus verschiedenen Gründen kritisch zu hinterfragen ist – aber an dieser Stelle wollte ich das einfach mal ehrlich mitteilen.

Ich weiß auch wirklich noch nicht, wie ich mir das Leben in finanzieller Freiheit vorstelle. Ich denke dabei tatsächlich an eine Art von Early Retirement. Momentan stelle ich mir eine Selbstständigkeit vor mit einem Thema, welches mir mehr Spaß machen würde als das große Geld bringen. Dazu viel Reisen und Familienzeit. Das ist aber wirklich noch nicht ausgegoren. Vielleicht werde ich auch noch einige Jahre nach Erreichen der finanziellen Freiheit einfach weiterarbeiten. Und zwei mal im Monat mehr Essen gehen. Wer weiß.

Der Sinn des Lebens

Eines ist aber für mich klar: Nur aus Angst in ein Loch zu fallen oder nichts mit mir anfangen zu können, kann ich nicht aufhören die finanzielle Freiheit anzustreben. Mich selbst von Arbeit abhängig zu machen (durch übermäßigen Konsum) nur damit mir der Lebenssinn, meine Familie und mich zu ernähren, nicht verloren geht – das kommt nicht in Frage.

Wenn man sich Gedanken über das Thema finanzielle Freiheit und die damit verbundene Möglichkeit des Early Retirement macht, kommt man unter Umständen schnell dazu, sich mit dem Sinn des Lebens zu beschäftigen. Mich hier aus Angst vor unbequemen Fragen in die Abhängigkeit zu stürzen und zu verhindern, dass ich die finanzielle Freiheit erreiche – das kann nicht die Lösung sein!

Aus diesem Grund zählen für mich all die Studien über das Glück der Arbeit und das Unglück der Rente nicht. Das wäre für mich Selbstbetrug. Oder anders ausgedrückt:

Keine finanzielle Freiheit ist auch keine Lösung!

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Jung und erfolgreich https://www.kleiner-hai.de/2017/02/jung-und-erfolgreich/ https://www.kleiner-hai.de/2017/02/jung-und-erfolgreich/#comments Sat, 04 Feb 2017 11:40:13 +0000 https://www.kleiner-hai.de/?p=546 Ich hatte kürzlich Gelegenheit mit einem Geschäftsführer einer erfolgreichen Firma mit ca. 1000 Mitarbeitern zu sprechen. Das Besondere: Der Geschäftsführer hat gerade seinen Posten angetreten und ist noch keine 40 Jahre alt. Ich habe Ihn darauf angesprochen, wie es dazu weiterlesen...

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Ich hatte kürzlich Gelegenheit mit einem Geschäftsführer einer erfolgreichen Firma mit ca. 1000 Mitarbeitern zu sprechen. Das Besondere: Der Geschäftsführer hat gerade seinen Posten angetreten und ist noch keine 40 Jahre alt. Ich habe Ihn darauf angesprochen, wie es dazu kam.

Bescheidenheit

Als erstes nannte er  den Umstand „Generationenwechsel“. Er meinte eine komplette Generation sei bei der Nachfolger-Suche ausgelassen worden. Die Firma wolle jemanden, der mindestens „Digital Native“ sei. Die Firma solle schneller und agiler werden.

Das ist eine sehr bescheidene Antwort, aber ich habe dann doch nochmal nachgehakt: „Das ist verständlich, aber vermutlich war jung sein nicht Deine einzige Qualifikation, da hätte es ja sicher noch einige andere Kandidaten gegeben. Was hast also Du richtig gemacht?“

Drei Punkte

Dann nannte er drei Punkte: Schon in sehr jungen Berufsjahren hat ihn die Firma für ein paar Jahre ins Ausland zum Arbeiten geschickt. Das werde natürlich immer gern gesehen. Ein weiterer Punkt sei seine Führungserfahrung. Er hat schon einige Jahre eine Abteilung geleitet. Dass es eine der erfolgreichsten Abteilungen der Firma war, hat er zwar nicht erwähnt, aber geschadet hat das sicher auch nicht. Und als letzten Punkt nannte er, dass sein Vorgänger, der ihn empfohlen hatte, gemerkt habe, dass er bereit ist, seine eigenen Interessen denen der Firma unterzuordnen.

Die eigenen Interessen unterordnen

Gerade den letzten Punkt finde ich sehr interessant, weil ich einen sehr ähnlichen Satz in meinem letzten Arbeitszeugnis stehen habe. Allerdings gibt es hier ja sehr gegensätzliche Meinungen. Auf der einen Seite der CEO, der sagt, dass ihn genau das weiter gebracht hat. Auf der anderen Seite gibt es viele Leute, die das Gleiche von sich behaupten und sagen „aber das hat mir noch nie jemand gedankt“. Natürlich glaube ich auch, dass man gerade im Umgang mit dem Arbeitgeber seine eigenen Interessen nicht vergessen darf. Auf der anderen Seite zeigt sich einmal mehr, dass es nicht das Jammern ist, was einen weiterbringt, sondern eine proaktive Einstellung im Sinne von Stephen Covey2.

Fazit

Nicht jeder strebt eine große Karriere an. Aber auch wer das nicht tut, kann aus dem letzten Punkt sicherlich etwas mitnehmen. Anstatt mit dem „üblichen Gejammer“ mitzumachen, sollte man viel mehr aktiv werden und selbst gestalten.

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I love Mondays https://www.kleiner-hai.de/2017/01/i-love-mondays/ https://www.kleiner-hai.de/2017/01/i-love-mondays/#comments Sun, 15 Jan 2017 19:18:30 +0000 https://www.kleiner-hai.de/?p=548 Ich liebe Montage! Jan von HabitGym hat zur Blogparade Kleine Idee mit großer Wirkung aufgerufen. Das nehme ich zum Anlass Euch zu berichten, warum ich Montage so großartig finde: Ich arbeite nämlich 80%-Teilzeit und montags habe ich (von meinem Angestellten-Job) weiterlesen...

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Ich liebe Montage3! Jan von HabitGym hat zur Blogparade Kleine Idee mit großer Wirkung aufgerufen. Das nehme ich zum Anlass Euch zu berichten, warum ich Montage so großartig finde: Ich arbeite nämlich 80%-Teilzeit und montags habe ich (von meinem Angestellten-Job) frei.

Warum mache ich das?

Wenn jemand zum ersten Mal davon hört, dass ich montags immer frei habe, werde ich häufig mit viel Erstaunen gefragt, warum ich das mache. Schließlich bin ich jung, habe keine Kinder, keine gesundheitlichen Beschwerden und stehe noch am Anfang meiner „Karriere“. Wie bin ich also auf diese kleine Idee mit großer Wirkung gekommen?

Im Buch „The 4-Hour Workweek“ beschreibt Timothy Ferriss ein Konzept, dass er „mini-retirements“ (dt.: Mini-Renten) nennt. Die grundlegende Idee dahinter ist, sein Leben nicht auf später, also auf die klassische Rente (65+) zu verschieben, auch weil unser Körper dann vielleicht nicht mehr all das machen kann, was wir gerne machen würden. Sein Konzept ist also mit etwas Erspartem immer wieder eine Art Mini-Rente zu machen. Dabei reist man für sechs Monate oder ein Jahr irgendwohin hin und schaut sich dort verschiedene Orte an, bis man einen findet, an dem man die restliche Zeit verbringen möchte. Ich fand das eine wirklich coole Idee, aber es war mir doch einen Tick zu viel. Ich wollte aber trotzdem mein Leben nicht verschieben und bin so auf die Idee gekommen, Teilzeit zu arbeiten. 4

Das war natürlich nur der Denkanstoß, aber die „kleine Idee“ war geboren. Dann habe ich angefangen abzuwägen. Ich arbeite sehr gern, also nur das reine nicht arbeiten gehen zu müssen, wäre nicht ausschlaggebend gewesen. Aber obwohl ich meine Arbeit sehr gern mache (Hacking macht Spaß), ist das eben nur ein Teil von dem, was ich gerne mache. Und dieser Teil war überproportional stark in meinem Leben vertreten. Während vorher 5 von 7 Tagen, also ca. 71% meiner Tage stark von der Arbeit dominiert waren, sind es jetzt nur noch 4 von 7, also 57%. Das ist vielleicht schon der erste überraschende Punkt: Wenn man 80% arbeitet, arbeitet man tatsächlich nur ca. 57%.

Auch beim nächsten Punkt geht es um Balance: Während ich genau einen Arbeitgeber habe, hat mein Arbeitgeber (sehr) viele Arbeitnehmer. Ganz offensichtlich ist mein Arbeitgeber für mich also viel wichtiger, als ich für meinen Arbeitgeber bin5. Dadurch, dass ich nur noch an ca. 57% aller Tage arbeite, ist für mich gefühlt mein Arbeitgeber ein weniger zentraler Punkte in meinem Leben, als das bei über 71% wäre.

Die ausschlaggebenden Gründe waren also, dass ich mein Leben jetzt leben möchte, dass ich mehr Zeit für meine außerberuflichen Interessen wollte und dass ich die Wichtigkeit meines Arbeitgebers für mich reduzieren wollte.

Was kostet das?

Natürlich gibt es nicht nur Vorteile und ganz vorne steht für viele sicherlich die Frage: Was kostet das denn? Geld, Karrierechancen?

Es kostet Geld

Zum einen kostet es natürlich Geld. Aber vielleicht gar nicht so viel, wie man denken mag. Denn je weniger man verdient, umso kleiner wird der Anteil an Steuern, die man zahlen muss (Progression). Wenn man also 20% weniger brutto verdient, rutscht man die Kurve wieder ein ganzes Stück weit runter. Für mich haben 20% weniger brutto damals in etwa 16% weniger netto ergeben. Ich habe meinen Netto-Stundenlohn hierdurch also erhöht!

Steuerprogression
Von Udo BrechtelEigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Dazu kam bei mir damals, dass eine Gehaltserhöhung anstand. Natürlich ist es methodisch nicht korrekt, 80% nach Gehaltserhöhung mit 100% vor Gehaltserhöhung zu vergleichen, wenn man die Kosten dieser Entscheidung beziffern möchte. Andererseits war es eben tatsächlich so, dass ich mit 80% durch Gehaltserhöhung und Steuervorteil im Monat nur 250€ netto weniger hatte als vorher.

Karrierechancen

Sind 80% karriereschädlich? Vielleicht. Ich denke das kommt sehr stark auf die Branche und im Einzelfall den Arbeitgeber an. Ich denke, 80% sind noch so „vollzeitnah“, dass es theoretisch keine Einschränkungen geben muss. Und dann ist es sicherlich auch eine Frage davon, wie man es dem Arbeitgeber erklärt: „Der Job ist so anstrengend, ich packe dass nicht und brauche mehr Erholung“ ist sicherlich etwas anderes als zu sagen: „Ich habe so viele private Projekte, die ich anpacken möchte, ich brauche mehr Zeit dafür“.

Ich habe schon mit einigen Leuten gesprochen, die gesagt haben, wenn sie das machen würden, wären sie sofort auf dem Abstellgleis. Ich denke, wenn das so ist, darf man sich auch fragen, ob man noch beim richtigen Arbeitgeber ist.

Mir waren die 80% so wichtig, dass mir klar war, ich würde ein besser bezahltes Stellenangebot ablehnen, wenn ich die 80% nicht fortsetzen könnte. So habe ich auch schon im Bewerbungsgespräch vor meinem Wechsel offen kommuniziert, dass ich wieder 80% arbeiten möchte. Zu einem Arbeitgeber, für den das ein Problem wäre, wollte ich ohnehin nicht gehen6.

Ich denke, dass ich – trotz offen kommunizierten 80% – ein so gutes Jobangebot bekommen habe, wie das, welches ich vor einem halben Jahr angenommen habe, zeigt, dass die 80% nicht unbedingt karriereschädlich sein müssen.

Wie nutze ich meine Montage?

Jeder möchte die Zeit natürlich unterschiedlich nutzen, aber vielleicht interessiert es ja den einen oder anderen, wozu ich meine Montage nutze:

  • Mehr Zeit mit meiner Frau: Meine Frau arbeitet 100% (sie hat gerade ihren ersten Job angefangen), sodass ich versuche möglichst viele Erledigungen montags zu machen, sodass wir am Wochenende mehr schöne Zeit gemeinsam verbringen können.
  • Die meiste Zeit an Montagen beanspruchen gerade unsere Immobilien-Projekte. Das sollte aber bald weniger werden.
  • Weiterbildung: Ich nutze die Zeit um mich weiterzubilden. Momentan zum Thema Immobilien.
  • Zwei mal vier Tage im Jahr arbeite ich als Lehrbeauftragter an einer Hochschule
  • Viele Artikel dieses Blogs entstehen an Montagen.
  • Weitere Projekte und nebenberufliche Tätigkeiten sind geplant.

Und wie klappt das?

Wer bis hierher gelesen hat, hat es wohl schon geahnt, dass ich bisher sehr gute Erfahrungen mit den 80% gemacht habe. Das liegt sicherlich auch am meinem Job, der meiner Meinung nach dafür bestens geeignet ist. Ich werde nämlich (typisch Berater) nach Personentagen an die Kunden verkauft. Es gibt also kein Projekt, dem ich „hinterherlaufe“, weil die anderen Kollegen fünf Tage die Woche arbeiten. Ich habe normalerweise mein eigenes Projekt und das setzt dann mit mir am Montag einfach einen Tag aus. Es ist also nicht – wie man sich das in vielen anderen Jobs vielleicht vorstellen könnte – die gleiche Arbeit in kürzerer Zeit.

Für Verwunderung sorgt es manchmal schon, wenn ich Leuten davon erzähle, aber viele Leute bekommen davon auch gar nichts mit. Man muss es ja nicht jedem auf die Nase binden. Kunden sage ich häufig einfach nur „am Montag bin ich nicht im Haus“.

Soziale Normen

Spannend finde ich, dass die (meist nur anfängliche) Verwunderung allein dadurch zu Stande kommt, dass ich 80% arbeite. Man spricht in Deutschland ja eher nicht über das Gehalt. Die meisten Leute, die davon erfahren, wissen nicht, wie viel ich verdiene. Die Verwunderung wird also nicht dadurch ausgelöst, dass ich mit „so wenig“ Geld zurecht komme, sondern allein dadurch, dass ich 80% arbeite.

Eigentlich ist es doch komisch, dass fast alle 100% arbeiten und nicht so viel, wie sie tatsächlich Geld benötigen. Es gibt Menschen, die mehr als 100% arbeiten. Bei Taxi-Fahrern habe ich es beispielsweise schon öfter gehört, dass sie sechs Tage die Woche (mit je deutlich mehr als acht Stunden) arbeiten, weil sie so wenig verdienen und das Geld brauchen. Aber in die andere Richtung scheint das nicht zu funktionieren. Egal ob jemand das zwei, drei oder vierfache des Durchschnitts verdient, weniger gearbeitet wird deshalb nicht.

Brauche ich das Geld?

Geld zu brauchen ist so eine Sache. Viele Menschen „brauchen“ genau so viel Geld (oder im schlimmsten Fall ein bisschen mehr) wie sie verdienen. Hedonistische Adaption und so. Mittlerweile verdiene ich mit 80% mehr, als mein Einstiegsgehalt bei 100% war. Wenn es nur darum ginge, die täglichen Ausgaben zu decken, könnten meine Frau und ich noch deutlich weniger arbeiten. Aber da wir noch in der Situation sind, regelmäßig Zeit für Geld zu tauschen, wollen wir durch eine hohe Sparrate auf die finanzielle Freiheit hin arbeiten. So gesehen könnten wir die 20% extra gut gebrauchen. Wir könnten aber auch noch weitere 20% gut gebrauchen. Dann könnten wir sechs Tage die Woche arbeiten. Insofern sind die 80% also ein Kompromiss aus „jetzt leben“ und Sparrate.

Fazit

Zeit ist unser wertvollstes Investmentgut wie Alex Fischer schreibt, denn unsere Zeit ist begrenzt und Zeit, die einmal weg ist, können wir nicht zurückholen. Wir sollten uns also gut überlegen, was uns unsere Zeit Wert ist. Für mich hat die kleine Idee 80% zu arbeiten einen großen Gewinn gebracht.

Vielen Dank an Jan für den Aufruf zu dieser Blogparade! Habt Ihr auch eine kleine Idee mit großer Wirkung gehabt? Was haltet Ihr davon Teilzeit zu arbeiten? Wäre das auch was für Euch?

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Wind auf die Mühlen der Bürokratie https://www.kleiner-hai.de/2017/01/wind-auf-die-muehlen-der-buerokratie/ https://www.kleiner-hai.de/2017/01/wind-auf-die-muehlen-der-buerokratie/#respond Wed, 04 Jan 2017 13:09:47 +0000 https://www.kleiner-hai.de/?p=560 Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam. Schnell fühlt man sich als Opfer unmotivierter Beamten. An zwei Beispielen möchte ich aufzeigen, dass, wenn man sich selbst für den gesamten Prozess verantwortlich fühlt, man durchaus Abläufe enorm beschleunigen kann. So hat meine weiterlesen...

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Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam. Schnell fühlt man sich als Opfer unmotivierter Beamten. An zwei Beispielen möchte ich aufzeigen, dass, wenn man sich selbst für den gesamten Prozess verantwortlich fühlt, man durchaus Abläufe enorm beschleunigen kann. So hat meine Frau ihr Visum statt in 5 bis 8 Wochen in wenigen Tagen erhalten. Und auch eine Eigentumsumschreibung kann beschleunigt werden.

Visum zum Ehegattennachzug in wenigen Tagen

Meine Frau kommt aus Russland. Im Mai haben wir standesamtlich in Moskau geheiratet. Im Juli haben wir kirchlich geheiratet. Wir haben extra ein wenig mehr Zeit eingeplant, damit sie genügend Zeit hat, das Visum zu bekommen. Allerdings wäre es für die Vorbereitung ja schon schön, wenn sie nicht erst ein oder zwei Wochen vor der Hochzeit ankommt. Außerdem waren wir ehrlich gesagt hinterher ein wenig unsicher, ob unser Zeitplan wirklich so aufgehen wird, insbesondere auch weil die Ausländerämter in Deutschland ja zur Zeit nicht gerade unterbeschäftigt sind. Und eine Hochzeit ohne Braut ist ja wirklich nicht so super. Wir wollten den Vorgang also beschleunigen.

Analyse des Vorgangs

Als erstes mussten wir also verstehen, warum das ganze so lange dauert. Die Botschaft in Moskau muss bei der zuständigen Ausländerbehörde in Deutschland anfragen, ob Gründe gegen die Genehmigung sprechen. Das könnten zum Beispiel Vorstrafen oder Ähnliches sein. Also eigentlich reine Formsache. Ich konnte mir schon vorstellen, dass das ein paar Tage dauert, aber mehrere Wochen? Nach einigen Telefonaten mit der Ausländerbehörde sowie mit der Botschaft in Moskau hatten wir das Nadelöhr gefunden. Die Botschaft schickt ihre Anfrage per Schneckenpost zur Ausländerbehörde nach Deutschland. Und zwar nicht per Express. Und aus eigener Erfahrung wussten wir, dass die Brieflaufzeit hier problemlos bei vier oder fünf Wochen liegen kann. Der größte Teil der Antragszeit liegt also in der Brieflaufzeit von Moskau nach Deutschland. Der Rückweg, also die Nachricht, dass alles in Ordnung ist, geht elektronisch.

Die Beschleunigung

Wir haben von einer sehr, sehr freundlichen Beamtin im Ausländeramt den Tipp bekommen, dass die Botschaft die Sachen doch elektronisch schicken soll. Also haben wir bei der Botschaft angefragt, ob das möglich wäre. Die Botschaftsmitarbeiter waren von der Idee aber mäßig begeistert und meinten, dass sie so etwas nur machen könnten, wenn die Ausländerbehörde in Deutschland das anfragt. Immerhin haben wir die E-Mail-Adresse von den Botschaftsmitarbeitern bekommen, bei der die deutsche Behörde anfragen soll.

Ungeschickter Weise war die sehr freundliche Beamtin im Ausländeramt leider nicht für uns zuständig. In der zuständigen Behörde hatte man von so etwas noch nie gehört. Letzten Endes konnten wir die Beamtin aber davon überzeugen, es einfach mal zu versuchen und die E-Mail mit der Bitte, die Anfrage elektronisch zu verschicken, für uns nach Moskau abzusenden.

Das schnelle Ende

All das hatten wir schon Monate vorab gemacht. Als es soweit war, ging meine Frau mit den vollständigen Dokumenten zur Botschaft. Am nächsten morgen haben wir die Beamtin in Deutschland über die Verfahrensnummer informiert. Noch am gleichen Tag hat die Ausländerbehörde die E-Mail geschrieben, die Anfrage erhalten und sogar schon bearbeitet. Zwei oder drei Tage später kam von der Botschaft die Nachricht, dass das Visum abgeholt werden kann.

Auf diese Weise konnten wir ein Verfahren, welches mindestens vier bis sechs Wochen hätte dauern sollen, auf unter eine Woche beschleunigen.

Eigentumsumschreibung

Meine Frau und ich haben kürzlich eine Wohnung gekauft. Zumindest der Kaufvertrag ist unterschrieben. Was jetzt noch fehlt ist die Fälligstellung7 durch den Notar und nach Bezahlung die Eintragung ins Grundbuch. Bei dem jetzt zuständigen Grundbuchamt würde die Eintragung nach Mitteilung durch den Notar ungefähr eine Woche dauern, hat uns die freundliche Mitarbeiterin dort mitgeteilt. Allerdings wechselt nächsten Monat aufgrund der anstehenden Zentralisierung die Zuständigkeit. Das dann zuständige Grundbuchamt wird aber voraussichtlich Monate brauchen, weil durch die ganzen anstehenden Umstellungen dort gerade extrem viel los ist.

Für uns bedeutet das also: Entweder diesen Monat, oder noch lange warten. Eine Nachfrage beim Notar ergab, dass es momentan noch das Löschungsversprechen8 der Bank des Verkäufers sowie die Verwalterzustimmung9 fehlt. Außerdem haben wir noch keinen Grunderwerbssteuerbescheid bekommen. Und ohne dass wir die Grunderwerbssteuer bezahlt hätten, gibt es auch keine Eigentumsumschreibung.

Die Beschleunigung

Damit wir überhaupt eine Chance haben, alles noch diesen Monat abzuschließen, müssen zwei Dinge gleichzeitig erfolgen. Die Zahlungsvoraussetzungen müssen geschaffen werden und die Grundsteuer muss bezahlt werden. Was die Zahlungsvoraussetzungen angeht, können wir selbst wenig tun, da der Geschäftspartner der jeweiligen Akteure (Bank und Verwalter) ja der Verkäufer ist. Glücklicherweise ist es ja auch im Interesse des Verkäufers, dass die Zahlung bald erfolgt. Daher haben wir Kontakt zum Verkäufer aufgenommen und ihn gebeten zu versuchen, ob hier etwas beschleunigt werden kann.

Die Zahlung der Grunderwerbssteuer können wir ja erst vornehmen, wenn das Finanzamt diese eingefordert hat. Ein Anruf beim zuständigen Finanzamt ergab, dass dort gerade die Kaufverträge von August letzten Jahres bearbeitet werden. Es braucht also nicht viel Phantasie sich vorzustellen, dass unser Kaufvertrag nicht so schnell an der Reihe wäre.

Der freundliche Beamte war aber gerne bereit unseren Vertrag vorzuziehen. Hier kommt die Beschleunigung also daher, dass wir eine Schlange abgekürzt haben. Das Schöne hierbei ist, dass es am Ende der Schlange kein Eis, sondern eine nicht zu knappe Rechnung zu bezahlen gibt, sodass die meisten, an denen wir uns jetzt „vorbei gedrängelt“ haben, sicherlich nicht böse sein dürften, wenn sie jetzt erst einen Tick später bezahlen müssen.

Ob es am Ende ausreicht, ist jetzt noch ungewiss, aber ich bin mir sicher, dass es der Versuch Wert ist.

Fazit

Was kann man aus beiden Geschichten mitnehmen? Glück gehabt, an die richtigen Beamten geraten zu sein? Teilweise sicherlich ja, aber nicht nur. Folgende Punkte nehme ich für mich für die Zukunft mit:

  • Sich selbst für den gesamten Prozess verantwortlich fühlen. Man sollte sich selbst nicht als jemanden sehen, der in den Mühlen der Bürokratie verarbeitet wird, sondern als Verantwortlichen, der den gesamten Prozess koordiniert.
  • Früh genug anfangen und dabei versuchen, den gesamten Prozess zu verstehen. Viele Abläufe lassen sich parallelisieren oder einfach schon früher anstoßen, wenn man denn weiß, dass sie angestoßen werden müssen.
  • Mehrere Stellen anfragen. Auch von Auskünften von Beamten, die den Job schon seit 30 Jahren machen und „so etwas“ noch nie gesehen haben, darf man sich nicht entmutigen lassen. Wenn es wirklich dringend ist, kann man auch beispielsweise auf Grund des Wohnorts nicht zuständige Stellen anfragen, um mehr über den Prozess zu lernen. Beispielsweise kann es sich lohnen, Informationen zu Ausländerprozessen auf einem Standesamt in einer größeren Stadt, anstelle des kleinen, aber zuständigen Amts auf dem Dorf anzufragen.
  • Ich-Botschaften senden. Anstatt dem Staatsdiener gegenüber auf bürgerliche Rechte zu pochen, die eigene Situation etwas emotional schildern und um Hilfe bitten.
  • Bei alledem sollte man es aber nicht übertreiben. Ich denke, es zahlt sich aus immer ehrlich zu bleiben und bei den Gegenstellen auch nicht mehr Wind zu verursachen als nötig. Nicht jedes Verfahren muss beschleunigt werden, nur weil es (wahrscheinlich) geht.

Habt Ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht? Konnten ihr für Euch wichtige Prozesse beschleunigen? Was habt Ihr dabei gelernt, dass auch anderen helfen könnte?

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2016 – Eine neue Ehefrau und ein neuer Job https://www.kleiner-hai.de/2017/01/2016-eine-neue-ehefrau-und-ein-neuer-job/ https://www.kleiner-hai.de/2017/01/2016-eine-neue-ehefrau-und-ein-neuer-job/#respond Tue, 03 Jan 2017 15:40:01 +0000 https://www.kleiner-hai.de/?p=551 2016 war ein tolles Jahr und es hat sich für mich viel verändert. Hier ein kurzer Rückblick auf mein persönliches Jahr und eine Entscheidung, die mir nicht leicht gefallen ist. Doch zuerst noch eine kurze Anmerkung zum politischen Jahr 2016. weiterlesen...

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2016 war ein tolles Jahr und es hat sich für mich viel verändert. Hier ein kurzer Rückblick auf mein persönliches Jahr und eine Entscheidung, die mir nicht leicht gefallen ist. Doch zuerst noch eine kurze Anmerkung zum politischen Jahr 2016.

Das politische Jahr 2016

Man könnte fast das Gefühl haben, dass man sich entschuldigen muss, wenn man sagt, dass das Jahr 2016 großartig war. Die heute show schreibt „2016, Du warst so scheiße – 1933 hat Dir soeben eine Freundschaftsanfrage geschickt.“ Und in der letzten Ausgabe fragt Lutz van der Horst Passanten, wie das Jahr 2016 war. Nachdem alle sagen, dass es ein (sehr) gutes Jahr war, erinnert er die egozentrischen Passanten: „Donald Trump, Brexit, Flüchtlingskrise“. Auch John Oliver („Last Week Tonight“) sagt „Fuck you, 2016“ und sprengt das Jahr gleich symbolisch in die Luft.

Aber ist es denn wirklich so schlimm? Ist dieses Jahr wirklich alles anders? Ich habe mich schon länger im Rahmen meiner Low Information Diet von der Sensationsberichterstattung zurückgezogen und ich denke es hat mir gut getan. Vor wenigen Tagen habe ich „den Kommer“10 zu Ende gelesen, was mich (nicht ganz überraschend) in meiner Informationsdiät bestätigt hat. In der Infobox „100 Jahre Stresstest im globalen Wertpapiermarkt“ schreibt er über viele (meist tragische) Ereignisse und gesellschaftliche Umwälzungen, welche die Börsen einem Stresstest unterzogen haben. Daraus hier nur ein kleiner Auszug: Erster Weltkrieg, Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise, Zweiter Weltkrieg, Kalter Krieg, viele weitere Kriege, deutscher Linksterrorismus, Tschernobyl-Unfall, Zusammenbruch der Sowjetunion, AIDS-Epidemie, Vogelgrippe, 11. September 2001, Umwelt- und Naturkatastrophen und Immobilien- und Finanzkrise 2008/2009. Die Liste bei Kommer ist noch etwas länger. Mit dieser Liste im Hinterkopf klingt „Trump, Brexit, Flüchtlingskrise“ – zumindest für mich –  nicht mehr so einzigartig bedrohend. Und damit meine ich nicht: Es könnte immer noch schlimmer kommen. Ich meine nur, wir sollten uns von den schlechten Nachrichten nicht verrückt machen lassen

Mein Jahr 2016

Für mich war 2016 ein ereignisreiches Jahr. Im Mai habe ich standesamtlich und im Juli in der Kirche geheiratet. Jeweils mit schönen Festen und vielen schönen Erinnerungen.  Zu unseren beiden bestehenden Immobilienprojekten kam noch ein drittes dazu. Alle Projekte werde ich bald einzeln vorstellen. Auf eine Veränderung in 2016 möchte ich etwas genauer eingehen. Ich habe einen neuen Job:

An meiner eigentlichen Tätigkeit hat sich nicht viel geändert, aber ich habe den Arbeitgeber gewechselt. Ich möchte hier nicht öffentlich die Vor- und Nachteile von neuem und altem Arbeitgeber besprechen, aber ich möchte kurz erläutern, wie ich meine Angst, einen Fehler zu machen, überwunden habe. Die Entscheidung ist mir nämlich nicht leicht gefallen. Mein Job hat mir auch bei meinem alten Arbeitgeber viel Spaß gemacht und ich habe unter den Kollegen dort wirkliche Freunde gefunden. Von meinem neuen Arbeitgeber habe ich mir – außer einem deutlich höheren Gehalt – bessere Rahmenbedingungen erhofft.

Ich denke es ist nachvollziehbar, dass mir in einer solchen Situation die Entscheidung nicht leicht gefallen ist. Ich habe dann einen Ratschlag von Timothy Ferriss aus „The 4-Hour Workweek“ befolgt und mir ein Worst-Case und ein Best-Case-Szenario ausgemalt. Best-Case war: Mein Job macht mir noch genau so viel Spaß wie zuvor, ich verdiene deutlich mehr, habe wieder tolle Kollegen, und dazu noch bessere Rahmenbedingungen. Als Worst-Case habe ich angenommen, dass die Projekte dort alle langweilig sind, die Kollegen alle unausstehlich und dass ich nicht mehr gern auf Arbeit gehen würde. Hier endet das Szenario aber noch nicht. Denn im schlimmsten Fall, müsste ich mir – spätestens nach einem Jahr – wieder einen neuen Job suchen. Sicher, das wäre wirklich ärgerlich, aber es würde mein Leben nicht ruinieren. Auf lange Sicht, wäre dieses Worst-Case-Szenario also nur eine kleine Delle, bis ich wieder etwas besseres gefunden habe.

Also habe ich mich entschieden es zu wagen und habe es seit dem nicht bereut. Meine Projekte sind immer noch spannend, ich komme mit meinen neuen Kollegen gut zurecht und mit einigen meiner alten Kollegen bin ich noch immer in Kontakt und sehe sie auch noch öfters.

Natürlich hatte ich, nachdem ich gekündigt hatte, doch etwas Angst, ob ich vielleicht einen Fehler gemacht habe. Aber durch diese Technik habe ich mich getraut, diesen Schritt zu gehen, der sich für mich jetzt als richtig herausgestellt hat, soweit ich das nach fünf Monaten schon beurteilen kann.

Fazit

Keine Angst! Keine Angst vor den Veränderungen in der Welt. Lasst uns das Gute nicht aus den Augen verlieren. Und wo sollten wir dabei besser anfangen, als in unseren eigenen persönlichen Leben. Und auch hier, keine Angst vor Veränderungen! Solange wir uns selbst als verantwortlich für unser Leben betrachten, sollten wir Veränderungen als Chance begreifen.

Wie war Euer persönliches Jahr 2016? Habt Ihr auch große Entscheidungen getroffen oder stehen noch welche an?

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