Wir leben jetzt im Luxus

Meine Frau und ich leben jetzt im Luxus. Wir haben nämlich in ein neues Auto und ein neues Bett investiert gekauft.

Unser neues Bett

Darf man auf einem Immobilen-Blog, auf dem es um harte Zahlen, Finanzierungen und Immo-Deals geht, über sein neues Bett schreiben? Die Exstudentin Jenny meinte jeden falls, als wir sie auf der Invest in Stuttgart getroffen haben, dass sie gerne einen solchen Artikel lesen würde. Hier also der Bericht zu unserem neuen Bett.

Doppelbett mit Nachttischen
Unser neues Bett: 2 x 1 m x 2 m

Unser altes Bett war 140cm breit und hatte entsprechend nur eine Matratze. Während das für ein Junggesellenleben auch mit Damenbesuch völlig in Ordnung ist, so war es doch als Dauerlösung nicht ideal. Der Beschluss war also gefasst: Ein neues Bett soll her. Meine Frau hat dann ein halbes Jahr lang – eilig hatten wir es nicht – bei ebay Kleinanzeigen und Quoka etwa alle zwei Woche nach etwas passendem Ausschau gehalten.

Dann hat sie dieses wirklich coole Bett gefunden: 2 Matratzen mit je einem Meter. Üblich sind meist nur 2 x 90 cm. Dazu noch die schicken Nachttische und ein Holzbogen der aussieht als käme er direkt von der Brücke der USS Enterprise D. Ich war schnell überzeugt. Außerdem passt es gut zu unseren sonstigen Möbeln.

Anschauen und Abholen

Wir haben kurz angerufen und den Preis schon am Telefon verhandelt. Denn wenn man erst mal da ist, dann wird es schwieriger mit dem Verhandeln. Am gleichen Abend haben wir es noch angeschaut: Massivholz, top Zustand, Hergestellt von einem lokalen Möbelfabrikaten, sympathischer Verkäufer.

Da das Bett nicht in unseren kleinen Polo passt, haben wir also vereinbart, dass wir das das Bett in den nächsten Tagen abholen werden. Auf billiger-mietwagen.de haben wir dann einen kleinen Transporter gesucht. Am Wochenende war einer für gut 60 Euro zu haben. In der Woche darauf am Mittwoch aber für nur 22 €. Für den Verkäufer war es kein Problem ein bisschen länger zu warten. Natürlich wäre es am Wochenende angenehmer gewesen, aber der Preisunterschied war zu groß. So wurde das Abholen zur nächtlichen Aktion.

Angekommen, mit Hilfe des Verkäufers eingeladen, wie vereinbart 300 € bezahlt und wir waren Besitzer eines schönen neuen Betts. Zwei Lattenroste und die Matratzen waren auch im Preis dabei. Wenn wir mal ein gutes Angebot finden, werden wir neue Matratzen kaufen, aber dazu besteht keine Eile.

Dann war da noch dieses Regal, das der Verkäufer auch los werden wollte. Es passt super zu unseren bisherigen Möbeln und 50 € war schon ein wirklich gutes Angebot. Er hätte es sicher noch teurer los bekommen. Aber das Angebot es sofort einzupacken, ohne dass er noch mehr Arbeit damit hat, war ausreichend, um es für 30 € zu bekommen.

Das alte Bett

Unser altes Bett haben wir noch am gleichen Abend abgebaut und bald darauf im Keller eingelagert.

Polsterbett
Unser altes Bett mit 140cm Breite.

Das Polster war noch gut erhalten und ich hatte damals einen hochwertigen überteuerten Rost gekauft. Es war klar: Dieses Bett wird verkauft. Tatsächlich haben wir schon vor dem Kauf des neuen Betts versucht, das alte zu verkaufen, da wir ein sehr bequemes Schlafsofa gleicher Breite haben auf das wir dann ausgewichen wären. Da wir aber recht viel für das alte Bett verlangt haben, hatten wir es bis dahin nicht verkauft.

Nachdem wir das neue Bett gekauft haben, haben wir den Preis für das alte dann von 300 € über 250€ auf 220 € gesenkt in der Absicht es dann für 200 € zu verkaufen. Wir hatten dann auch einige Interessenten, aber entweder sie wollten noch weiter nach unten verhandeln oder es hatte aus anderen Gründen nicht geklappt. Wir hatten keine Eile das Bett zu verkaufen, im schlimmsten Fall wäre es als Gästebett mit in die neue Wohnung gekommen.

Nach insgesamt sicher über sechs Monaten Vermarktungsdauer haben wir das Bett dann schließlich tatsächlich für 220 € verkauft. Innerhalb dieser Zeit habe ich das Bett immer mal wieder neu auf den Portalen eingestellt, um wieder oben in der Liste zu stehen. Das hätte man zwar auch für ein paar Euro als Extraleistung kaufen können. Neueinstellen geht aber auch sehr schnell und kostet nichts.

Auf diese Weise haben wir also für rund 100€ (220 € – 300 € – 22 €) unser Bett ordentlich geupgradet. Und sind nebenbei noch für 30 € zu einem wirklich schicken Regal mit Milchglasschiebetür gekommen. Wir haben Bett und Regal jetzt schon seit über vier Monaten und haben seit dem nicht aufgehört uns immer mal wieder darüber zu freuen: Zum einen weil das Bett so bequem ist, zum anderen weil der Deal so gut war.

Unser neues Auto

Bisher sind wir mit einem kleinen roten Polo Baujahr ’98 mit Lack und Hagelschaden durch die Gegend gefahren. Mittlerweile hat dieser aber über 230.000 km und zeigt – auch wegen meiner nicht gerade idealen Pflege – immer mehr Probleme. Ein befreundeter KFZ-Mechaniker sagte, dass er für den TÜV im September nächsten Jahres, also in fast 1,5 Jahren, keine Chance mehr sieht. Man müsste viel zu viel schweißen, das wird nichts mehr. Und um die Macken zu beheben, die er jetzt schon hat wären das auch nochmal ein paar hundert Euro. Es war also klar: Ein neues Auto muss her.

Die Suche

Zuerst mussten wir herausfinden was wir tatsächlich wollten. Am Anfang wollten wir eine Automatik, das hat sich dann aber als schwierig herausgestellt, da die Auswahl in Deutschland so klein ist und bei vielen Kleinwagen die (Halb-)Automatik auch nicht so richtig angenehm ist. Also doch ein manuelles Schaltgetriebe. Jetzt hatten wir auf einmal eine riesige Auswahl. Und da die Zukunft des Diesels in deutschen Innenstädten fraglich ist, sollte es auch auf jeden Fall ein Benziner werden. (Elektroauto wäre natürlich super gewesen, aber leider noch nicht wirtschaftlich.)

Gesucht haben wir bei mobile.de. Da man gebrauchte Fahrzeuge immer anschauen muss, kamen nur Angebote aus der Umgebung in Frage. Für den Preisvergleich – und das war sehr angenehm – haben wir dann Angebote aus ganz Deutschland herangezogen. So konnten wir auch als nicht Automobilexperten die Preise doch relativ gut einschätzen.

Eine kurze Liebe

Für kurze Zeit hatte es uns ein Opel Astra angetan. Der Privatverkäufer ist uns im Preis sehr entgegengekommen, so dass es ein wirklich gutes Angebot war (6.800 €). Und der Wagen hatte wirklich viele Annehmlichkeiten: Funkschlüssel, elektrische Fensterheber, Klimanlage, Rückwärtspieper, Xenon-Scheinwerfer mit Kurvenlicht, super angenehme Straßenlage, sehr komfortable Sitze. Dazu hatte es noch eine wirklich gute Automatikschaltung. Ein schönes Mittelklassefahrzeug – nicht viel teurer als so manches Kleinwagenangebot, welches wir gesehen hatten. Für 1.000 bis 2.000 Euro mehr ein solches Plus an Komfort – das wäre es uns Wert gewesen.

Der Haken waren dann aber die Reperaturkosten: Während ich beim Polo einen kaputten Scheinwerfer für 70 € beim Schrottplatz ersetzt hätte, wäre so ein edler Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht locker mit über 1000 € zu Buche geschlagen. Und sollte so ein Kurvenlichtmotor mal nicht mehr funktionieren heißt das gleich: neuer Scheinwerfer – spätestens zum nächsten TÜV-Termin. Und auch ansonsten kostet ein Mittelklassewagen auch bei regulären Wartungsarbeiten eben „mittel“. Mit etwas Glück hätte es vielleicht nie Probleme gegeben, aber das Risiko exorbitanter Reparaturkosten war uns zu hoch. Es fiel uns schwer, aber wir haben weitergesucht.

Die Vernuftlösung

Es sollte also bei einem Kleinwagen bleiben. Wir haben auch einige Kleinstwagen angeschaut, aber da haben wir uns einfach nicht drin wohlgefühlt. Vielleicht auch ein Luxus-Gewöhnungseffekt. Nachdem wir einige Autos angeschaut hatten, haben wird dann einen Ford Fiesta gefunden.

Ford Fiesta
Unser neues Auto: Ein Ford Fiesta

Mit Erstzulassung Ende 2012 und gerade mal 18.500 km fast ein Schnäppchen für 5.300 €. Allerdings war sofort ein Kundendienst fällig, der nochmal 300 € gekostet hat. Das Autohaus hat uns bestätigt was wir schon vermutet haben: Der Autohaus-Verkäufer hat alles konkret durch gerechnet und meinte dann ein solches Auto würden sie für 6.900 € verkaufen. Ankaufen würden sie es allerdings nicht, da es ohne elektrische Fensterheber und ohne Funkschlüssel nur schwer zu verkaufen sei.

Uns machen die fehlenden Funktionen wenig aus, da wir das vorher auch nicht hatten. So schlimm ist es nicht die Fenster zu kurbeln. Die Kurbeln laufen jetzt sogar viel leichter als noch beim Polo. Und, den Luxus habe ich ja schon angekündigt: Der Fiesta hat sogar eine Klimaanlage. Das ist nicht nur für den Wiederverkauf sehr gut, es ist auch wirklich eine angenehme Sache in so heißen Tagen.

Zweitwagen

Der Luxus geht weiter: Momentan haben wir zwei Autos. Da wir beide berufstätig sind, spart das immer einem von uns eine Fahrt von insgesamt 40 bis 60 Minuten pro Tag, je nach Verkehr, um den anderen von der Arbeit abzuholen. Das ist natürlich eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität täglich bis zu einer Stunde weniger im Auto zu sitzen. Durch Steuer und Versicherung (Zweitwagen fängt bei den Prozenten wieder viel höher an) belaufen sich die Mehrkosten etwa auf 500 € im Jahr.

Das Problem an der Sache: Der Polo kann ja jederzeit ausfallen und wir haben das neue Auto ja eigentlich nicht als Zweitwagen sondern als Ersatz gekauft. Den Zweitwagen brauchen wir aber nur noch etwa ein halbes Jahr, bis wir umziehen werden. Entweder wir behalten jetzt den Polo und hoffen, dass er das halbe Jahr noch durchsteht, oder wir kaufen noch ein sehr günstiges Auto (unter 1.000 €) und verkaufen den Polo in der Hoffnung dafür noch 200 € zu bekommen. Den neuen Zweitwagen könnten wir dann nach dem Umzug wieder verkaufen. Die Transaktionskosten von Autoverkäufen sind glücklicherweise deutlich geringer als die von Immobilien und belaufen sich im wesentlichen auf die Zeit fürs Suchen und 70 € zum Anmelden mit neuem Nummernschild. Fürs Nummernschild kann ich übrigens die Kennzeichenprofis sehr empfehlen. Für 13,48 bekommt man zwei neue Nummernschilder inklusive Versand. Das ist das günstigste was ich im Netz finden konnte und deutlich besser als die 40 €, die der kleine Laden (der zu einer großen Kette gehört) im Landratsamt verlangt. Und man darf sich noch gut fühlen: Es ist eine Behindertenwerkstatt, die die Schilder herstellt1.

Zurück zum Thema Zweitwagen: Hier bin ich noch etwas unentschlossen. Vermutlich trifft mich der Halte-Bias. Wäre der Polo jetzt nicht meiner würde ich ihn für 200 € nicht kaufen. Also müsste ich ihn eigentlich für 200 € verkaufen. Tatsächlich hoffe ich aber, dass er noch ein halbes Jahr macht. Wenigstens vier Monate wäre schön, die letzten zwei Monate würden wir dann auch wieder mit einem Auto überstehen.

Fazit

Zweimal haben wir Geld ausgegeben. Haben wir jetzt investiert oder konsumiert?

Investment oder Konsum

Auch wenn wir mir dem Auto zur Arbeit fahren und auch wenn gesunder Schlaf wichtig ist: Für mich sind das Lebenshaltungskosten, also Konsum. Wir haben versucht möglichst sparsam zu sein, aber trotzdem bleiben das Konsumausgaben.

Wenn ich höre, dass Leute „in einen neuen Fernseher investieren“, muss ich mich immer sehr zusammenreißen, um nicht gleich einen Vortrag über investieren und konsumieren zu halten.

Niemals etwas dringendes kaufen

Und zum Schluss noch ein Rat meiner Frau: Versucht niemals Dinge zu kaufen, die super dringend sind. Wer Zeit hat, auf das passende Angebot zu warten – sei es Kauf oder Verkauf – fährt immer besser. Es ist natürlich nicht ganz leicht, aber eine „vorausschauende  Fahrweise“ hilft.

Wie geht ihr mit dem Thema Auto um? Kauft Ihr gebrauchte Möbel? Interessieren Euch Artikel zum Thema sparsames Leben?

 

Fußnoten

  1. Ich fühle mich aber nur ein ganz klein bisschen gut, da ich die Schilder auch in China bestellt hätte, wären sie dort noch günstiger gewesen ;)

4 thoughts on “Wir leben jetzt im Luxus”

  1. super Artikel. Also den Satz „ich habe in ein neues Auto, Bett, oder einen neuen TV, Computer u.s.w. investiert“ kenne ich seit vielen Jahren. Anfangs hatte ich das Gefühl, die Leute wussten genau, dass sie nicht „investiert“ sondern „konsumiert“ haben. Man hat es sich so etwas scherzhaft schön geredet. Investiert hört sich halt toll an.
    Aber mittlerweile, nach vielen Jahren, hat sich dieser Satz so allgemeinsprachlich eingebürgert, dass viele Leute das sogar tatsächlich glauben, dass sie ihr Geld in diese Dinge „investieren“. Bei den meisten ist eine Neuanschaffung von irgendwas eine Investition… Sehr traurig.

  2. Glückwunsch zu den Käufen, aber bei aller Sparsamkeit würde ich die gebrauchten Matratzen tauschen. Der Körper verliert jede Nacht viel Feuchtigkeit und die Vorstellung in den Ausscheidungen des Vorbesitzers zu liegen, fände ich nicht so toll.

  3. Michi, schön zu wissen, dass es hier noch Leidensgenossen gibt 😉

    Thomas, wie geschrieben, wollen wir die Matratzen ja auch austauschen. Nur eben ohne Eile. In einem Hotel mach ich mir mit frischer Bettwäsche da ja auch nichts daraus.

  4. Danke für den Artikel! Finde den Weg bis zum Kauf interessant. Zwar habe ich ein paar gebrauchte Möbel, trotzdem kaufe ich lieber neu. Gebrauchte Sachen gefallen mir oft optisch/ von der Funktion her nicht. Bei Elektrik verstehe ich da noch weniger Spaß, weswegen ich meistens lieber etwas mehr zahle und die Sachen dafür länger nutzen kann. Auf der Suche nach einem neuen Fahrrad habe ich sehr viel Müll besichtigt, der laut Anzeige „so gut wie neu“ war. Bei Autos bin ich DACIA-Fan. 10.000 Euro für einen Neuwagen mit weniger Stress.

    Mit meiner Konsumeinstellungkomme ich mir zwar nicht sehr sparsam vor, lese aber trotzdem gerne Artikel zu dem Thema.

    Liebe Grüße
    Jenny

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